Ein tolles Erlebnis über den Wolken
Die Hohenloher Luftsportgruppe hat Menschen mit Unterstützungsbedarf aus Weckelweiler abheben lassen.
Kirchberg/Schrozberg. Jedes Jahr pilgert der Berufsbildungsbereich (BBB) der Weckelweiler Gemeinschaften für eine Woche auf dem Jakobsweg. Aufgabe des BBB ist es, Menschen mit Unterstützungsbedarf auf ihrem Weg ins Berufsleben zu begleiten - durch die Vermittlung praktischer Fähigkeiten und die Förderung sozialer Kompetenzen. "Das Pilgern mit Nächten im Freien oder in spartanischen Unterkünften sowie der körperlichen Anstrengung bedeutet für viele Teilnehmende, ihre Komfortzone zu verlassen. Und genau das ist unser Ziel", erklärt Sabine Mögel, Leiterin des BBB. Für die Planung der Tagesetappen und das Begleitprogramm ist ihr Partner Helmut Jahn verantwortlich - mit Unterstützung der Hakro GmbH aus Schrozberg. Jahn ist den Weckelweiler Gemeinschaften als ehemaliger Werkstattleiter verbunden.
Nächtigen im Flugplatzgebäude
Durch die frühere Mitarbeiterin Aurelia Christenn, die 20 Jahre in den Weckelweiler Gemeinschaften tätig war, und ihren Mann, den Freizeitpiloten Heiner Christenn, kam zum zweiten Mal die Hohenloher Luftsportgruppe ins Spiel. Da der Flugplatz Leuzendorf am Jakobsweg liegt, fragte Helmut Jahn an, ob die Gruppe dort eine Station einlegen könne - auf ihrem Weg von Rothenburg nach Schwäbisch Hall. Der Verein zögerte nicht lange: Die Frauen konnten im Flugplatzgebäude übernachten, die Männer schlugen ihre Zelte davor auf. Aus der geplanten Besichtigung des Flugplatzes wurden 16 Freiflüge- insgesamt fast sechs Flugstunden. Da das Wetter keine Segelflüge zuließ, kamen kleine Motorflugzeuge zum Einsatz.
"Ich kann Fliegen!"
"Nicht alle haben sich getraut, ins Flugzeug zu steigen", berichtet Robert Hesser, 1. Vorsitzender der Luftsportgruppe. "Aber auch das Zuschauen beim Starten und Landen hat vielen Freude gemacht", ergänzt Aurelia Christenn. "Für uns Piloten war es ebenfalls eine Herausforderung, denn wir wussten nicht, wie die Passagiere aus Weckelweiler unter Stress reagieren würden", erzählt Heiner Christenn. So hatte er einen jungen Mann an bord, der starke Ängste bei Schräglagen zeigte. "Diese sind beim Fliegen - etwa beim Wenden - jedoch unvermeidlich", so Christenn. Auch beim Umrunden von Brettheim, dem Heimatort des Passagiers, war dies der Fall. Die Lösung: Ruhe bewahren und beruhigend zureden. Nach der Landung stieg der vormals ängstliche Passagier aus, breitete die Arme aus und rief: "Ich kann Fliegen!" - ein Bild, das sich in der Gruppe tief eingeprägt hat und bei der Erinnerung immer wieder für Lacher sorgt.
Verein lädt zu sich ein
"Gerade das Segelfliegen ist ein Luftsport, der kameradschaftlich, nachhaltig und relativ kostengünstig betrieben werden kann", erklärt Robert Hesser. Zur Hohenloher Luftsportgruppe gehören derzeit 20 aktive Pilotinnen und Piloten. Geflogen wird hauptsächlich an Wochenenden ab Leuzendorf. Dank ehrenamtlicher Ausbilder sorgt der Verein auch für den eigenen Nachwuchs. "Bei uns können Jugendliche ab 14 mit dem Flugtraining beginnen. Haben sie ihren Schein, dürfen sie ab 16 Jahren allein fliegen", erläutert Hannes Wagner, ein weiterer Pilot, der Rundflüge anbot. Interessierte Kinder und Jugendliche müssen jedoch nicht gleich eine Ausbildung beginnen: In Kooperation mit der Stadt Schrozberg bietet der Verein regelmäßig Schnupperflüge im Rahmen des Ferienprogramms an. Auch Hohenloher, die ihre Heimat einmal aus der Luft erleben möchten, sind im Verein herzlich willkommen. Gegen eine Spende können sie am Wochenende mitfliegen - im Segelflieger oder Motorsegler- und sich selbst von der Schönheit der Landschaft und des Flugsports überzeugen.

Bericht aus dem Hohenloher Tagblatt vom 29.08.2025